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     +++  Rattenbekämpfung Markt Ziemetshausen am 11.04.2017  +++     
 

Geschichte

 

 

(entnommen aus der Ortschronik;Zusammenstellung  und Neubearbeitung von Josef Gmelch, Hauptlehrer i. R. )

 

"A silbernes Bächle, a blumige Wies, en Schatta em Hölzle, dös findt ma ganz gwiss!" So schildert in einem seiner Gedichte der bekannte Heimatdichter Hyazinth Wäckerle (1836 – 1896) das grüne Tal der Zusam, in dem sein idyllischer Geburtsort Ziemetshausen eingebettet liegt und die waldigen Höhenzüge im Süden und Norden eine romantische Kulisse bilden. Ein genauer Zeitpunkt für die erste Siedlungsgründung Ziemetshausen lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit angeben. Erstmals erwähnt wird der Ort ("Chemaineshusen") im Zusammenhang mit einer auf 1020 – 1026 zu datierenden Schenkung eines Zehnten aus dem Eigengut Herzog Heinrichs IX. des Schwarzen von Bayern an das Augustinerchorherrenstift Rottenbuch.

 

Urkundliche Erwähnung findet es erstmals im Jahre 1162. Es erscheint dabei unter dem Namen Cehmaneshusen. Mehrmals hat sich im Laufe der Jahrhunderte dieser Name geändert. Schon 1198 lesen wir ihn als Zehemaneshusen, 1293 Zehemanshusen, 1316 Zehmatshusen, später Zematshusen, Zemetshusen, Zemenshusen, bis schließlich aus ihm das heutige Ziemetshausen wurde. Manche Heimatforscher haben um seine Deutung gerätselt. So leitet z. B. Dr. Korntheuer, einst prakt. Arzt in Ziemetshausen, von dieser Ortsbezeichnung ab: Ceh = zehn, manes = Mann, husen = hausen; also die Niederlassung oder die Häuser der zehn Männer.


Eine andere, viel wahrscheinlichere Deutung wäre folgende: Die erste Form des Namens (Cehmaneshusen) birgt in sich, wie dies bei den „Hausen-Orten“ sehr häufig ist, einen Personennamen. Es wäre also Ziemetshausen die Niederlassung „bei den Häusern des Ceman oder Cemar“.

 

Die geschichtliche Entwicklung von Ziemetshausen ist eng verknüpft mit der zunächst marktgräflich-burgauischen und ab 1301 vorderösterreichischen Herrschaft Seyfriedsberg, deren Schloss 3 km südlich von Ziemetshausen auf einem Höhenzug steht. Bei einer der häufigen Verpfändung der österreichischen Herrschaft Seyfriedsberg gelangt auch der Hauptort ab 1515 in die Hände der Villinger, die im Dienst der Habsburger in den Adel aufgestiegen waren.

 

Eine Schule lässt sich in Ziemetshausen seit dem Jahre 1481 nachweisen.

Auf kaiserlichen Rat von Kaiser Maximilian I. wurde durch den Schatzmeister Jakob Villinger um 1515 dem Dorf Ziemetshausen das Marktrecht verliehen.

 

Die Familie der Villinger prägte in den fast hundert Jahren ihrer Herrschaft (1515 – 1614) nicht nur auf dem Sektor der Verwaltung, sondern auch durch ihre Bau- und Stiftungs- tätigkeit (1550 Errichtung der Taferne als Amtshaus, 1557 Stiftung eines Spitals) die weitere Entwicklung Ziemetshausens. Vier Generationen der Villinger vermehrten durch Zukäufe den Seyfriedsbergischen Besitz in Ziemetshausen und förderten wohl auch den während des 16. Jahrhunderts sich herausbildenden Wochenmarkt. In der gotischen Vorgängerin der heutigen Barockkirche errichten sie ihre Familiengruft.

 

Mehrere Bauten aus früheren Jahrhunderten bezeugen heuten noch die Bedeutung, welche dem Ort in dieser Zeit zukam, so die Taferne, in welcher bis zum Jahre 1848 ein fürstliches Patrimonialgericht erster Klasse untergebracht war; dann das Spital, das 1557 ein Villinger dem Ort gestiftet hatte, in dem seinerzeit arme Leute Aufnahme fanden.

 

Während der Ortsherrschaft der Grafen (ab 1667), später Fürsten (seit 1775) von Oettingen-Wallerstein wurde 1671 das heutige fürstliche Rentamt errichtet.

 

Die Errichtung einer Feldkapelle im Jahr 1650 am Fuße des Schlossberges auf

dem Weg von Ziemetshausen nach Langenneufnach durch den Pfleger der Herrschaft Seyfriedsberg und Oberstjägermeister der Markgrafschaft Burgau, Jakob von St. Vincent begründet den Ursprung der heute weithin über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Wallfahrtskirche "Maria Vesperbild" mit dem Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes. Im Jahr 1754, begann man mit dem Neubau der Wallfahrtskirche.

 

Die Arbeiten übertrug man Johann Georg Hitzelberger, einem Maurermeister aus Ziemetshausen. So entstand der lichte Kirchenraum, den wir heute sehen. Das barocke Gotteshaus mit dem schmucken Zwiebelturm, das sich malerisch in die Landschaft einfügt, hat seitdem manche Veränderung in seiner Ausstattung erfahren, aber immer stand das Gnadenbild, die Schmerzensmutter mit dem toten Sohn, im Zentrum. Erhalten geblieben sind auch Fresken von Balthasar Riepp aus Reutte in Tirol.

 

1687 wurde der Neubau der Pfarrkirche durch den Wessobrunner Maurer und Stuckateurmeister Johann Schmuzer begonnen, der auch den wundervollen Stuck im Schiff der Kirche fertigte.

 

Im September 1705 erhielt die Barockkirche durch den Augsburger Weihbischof Johann Eglof, Freiherr von Westernach, ihre kirchliche Weihe. 1841 wurde der noch bestehende baufällige Glockenturm abgerissen und 1847 mit finanzieller Unterstützung des Seyfriedsberger Schlossherrn Prinz Anselm durch einen neuen ersetzt. Die Oettingen-Wallerstein‘sche Herrschaft in Ziemetshausen endete erst 1848, als das bestehende Patrimonialgericht aufgelöst wurde.

 

Nach dem Regierungsbericht von 1835 hatte der damals noch gutsherrliche Markt kein Wappen. Früher hatten die herrschaftlichen Vögte auf Seyfriedsberg die Urkunden für die Einwohner zu besiegeln.

 

Erst 1882 stellte die Gemeinde den Antrag auf Wappenverleihung, der 1884 nach Beratung durch den Historischen Verein von Schwaben und Neuburg erneuert wurde. Man wünschte die unveränderte Übertragung des Wappens der Freiherren Villinger von Schönenberg, die durch Kaiser Maximilian I. 1515 Ort und Gericht erhalten hatten, 1557 das Spital in Ziemetshausen stifteten, um 1586 dem Ort Marktrecht verschafften und 1641 ausstarben.


Nicht von ungefähr verlieh deshalb König Ludwig II. im Jahre 1884 das  Wappen der Villinger dem Markt Ziemetshausen als Ortswappen. Im Mittelalter hatte Ziemetshausen schon ein blühendes Handwerk, das in den Zünften wohlgeordnet war. Von besonderer Bedeutung war die Leinenweberei, welcher Kaiser Leopold I. (1658 – 1705) das Privileg einer "geschworenen Tuchschau" erteilte, was bedeutete, dass jedes Stück Tuch, das gut befunden wurde, als so genanntes "Staudenkattun" über Augsburg und Kempten in alle Welt ging und eine begehrte und gut bezahlte Ware war. Bis ins 19. Jahrhundert war Ziemetshausen ein bedeutendes Zentrum der Weberzunft. Mit dem Vordringen der Baumwolle kam aber die Leinenweberei zum Erliegen.  Auch eine Zunft der Bader und Wundärzte war gegen Ende des 17. Jahrhunderts an der Ziemetshauser Pfarrkirche gegründet worden, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts existierte und deren Mitglieder aus dem gesamten mittelschwäbischen Raum kamen.

 

Ziemetshausen, dessen wirtschaftliche Bedeutung im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts abnahm, überstand unbeschadet die beiden Weltkriege, hatte aber viele Gefallene und Vermisste zu beklagen. Eine eindrucksvolle Gedenkstätte bei der Kirche hält die Erinnerung an die Opfer der Kriege wach. 1945 wurde der Ort den feindlichen Truppen kampflos übergeben, doch die erlittenen Besatzungsschäden waren beträchtlich. Viele Heimatvertriebene, die sich nach 1945 hier ansiedelten, haben zum wirtschaftlichen Aufschwung des Zusammarktes beigetragen, der sich ab den 60er Jahren von einem landwirtschaftlich geprägten Ort zu einer handwerklich-gewerblich durchsetzten Ansiedlung weiterentwickelte.

 

Im Zuge der Gemeindegebietsreform 1978 hat der Markt Ziemetshausen seine Selbständigkeit behalten und bildet mit der benachbarten Zusamtalgemeinde Aichen eine Verwaltungsgemeinschaft.